Moneybrother im Interview
„Sie wollten Sex mit uns!“

Der schwedische Musiker und Indieliebling Moneybrother alias Anders Wendin im Interview über Roadtrips für sein neues Album „This Is Where Life Is“, Nachtsessions in Bob Marleys Studio und ein Swingerpärchen in Auckland. 

Die Arbeit an seinem neuen Album „This Is Where Life Is“ war für Moneybrother alias Anders Wendin fast wie Urlaub. Aufgenommen hat der smarte Schwede die wie immer zwischen Pop, Soul, Rock und Reggae pendelnden Songs nämlich in sieben Ländern rund um den Globus, von Jamaika bis Neuseeland. Vor Ort lud er lokale Künstler ein, gemeinsam mit ihm zu arbeiten. Im Interview verrät er, wie es zu diesem Konzept kam, warum er so gerne reist und wie er unterwegs zwei neuseeländischen Swingern entkam.

Moneybrother

Macht auch fast zehn Jahre nach seinem ersten Hit "Reconsider Me" und als verkappter Pilot eine gute Figur: Anders Wendin alias Moneybrother

BRASH.de: Herr Wendin, Sie haben Ihr neues Album in sieben verschiedenen Ländern aufgekommen. Klingt es denn auch wie eine Reise um den Globus?

Anders Wendin: Naja, also wer auf der Suche nach Flamenco, Samba oder Ähnlichem ist, wird bei mir nicht fündig. Ich habe keine Weltmusik gemacht. Vielmehr wollte ich ein Rock´n´Roll-Album aufnehmen, das nach Freiheit klingt und den Hörern das Gefühl gibt, sie würden selbst reisen. Die Gitarren, das Schlagzeug und den Bass habe ich zunächst in Steve Albinis Studio in Chicago aufgenommen, danach gingen mein Produzent Christoffer Rooth und ich mit den Aufnahmen auf Tour. So gesehen ist es schon wie eine Reise um die Welt. Wir haben eine Menge Meilen zurückgelegt.

Wie lange waren Sie unterwegs?

Wendin: Insgesamt drei Monate. Eine lange Zeit, um von Zuhause weg zu sein. Das löst alle möglichen Gefühle aus. Den Texten hört man das an. Meine Songs haben bis jetzt meistens von Liebeskummer gehandelt, aber dieses Mal geht es eher darum sich selbst zu finden und sein Zuhause zu vermissen.

Wieso konnten Sie das Album nicht einfach in einem günstigen Studio um die Ecke aufnehmen?

Wendin: Wir wollten Musiker auf dem Album haben, die man in Stockholm eben nicht findet. Zum Beispiel afrikanische Ladies für die Backingvocals, dafür gingen wir nach Südafrika. In Rio de Janeiro hingegen arbeiteten wir mit Marcos Suzanos, einem der besten Percussionisten der Welt. Einige Leute kannten wir schon vorher, andere Sachen haben sich erst vor Ort ergeben. Diese Kollaborationen würzten das Album erst richtig.

Gleichzeitig waren sie so etwas wie eine großartige Ausrede für einen langen Urlaub, oder?

Wendin: Ja! „Schatz, ich arbeite“ (lacht). Wir hatten wirklich eine tolle Zeit, haben viele neue Freunde gewonnen und eine Menge Dinge erlebt. Aber wir haben auch hart gearbeitet. Mir macht es immer etwas Angst in Studio zu gehen, weil ich weiß, dass ich die nächsten Jahre mit dem Ergebnis leben muss. Deswegen nehme ich Studioarbeit immer todernst. Und so gerne ich die ganze Zeit am Strand gelegen hätte – meistens waren wir ziemlich fokussiert. Ich würde den Trip gerne noch mal wiederholen, ohne ein Album aufzunehmen.

Reisen Sie auch privat gerne?

Wendin: Ja, Reisen und Musik waren schon immer meine großen Leidenschaften. Schon das Gefühl, in Stockholm zum Flughafen zu fahren, liebe ich, weil es bedeutet, dass ich irgendwo hin fahre. Ich bin in einer Kleinstadt in Schweden aufgewachsen und die ersten 15 Jahre meines Lebens waren unglaublich langweilig. Es gab keine Musik, keine Kunst, nichts. Ich wollte einfach nur weg von dort. Und als ich mit 15 schließlich wegzog, war ich ständig pleite. Erst mit Anfang 20 konnte ich das erste Mal in den Urlaub fahren.

Wohin fuhren Sie?

Wendin: Griechenland, mit meiner damaligen Freundin. Wir waren begeistert! Das hat etwas in mir ausgelöst. Danach versuchte ich ständig, Geld für die nächste Reise zusammen zu bekommen. Durch die Straßen eines Landes zu laufen, in dem man noch nie war, ist einfach ein großartiges Gefühl. Dieses Gefühl wollte ich mit meinem Album einfangen.

Ist Ihnen das gelungen?

Wendin: Ich denke schon. Wenn man ein Album auf diese Weise aufnimmt, muss man immer mit Überraschungen rechnen. Einiges hat nicht geklappt, anderes besser, als ich es gedacht hätte.

Zum Beispiel?

Wendin: Wir bekamen tatsächlich die Möglichkeit, in Bob Marleys Studio in Kingston in Jamaika aufzunehmen. Normalerweise kommt man da nicht rein, wenn man nicht zur Familie gehört, aber ein Bekannter von mir kannte dort jemanden und dann hieß es plötzlich, wir könnten an einem Tag zwischen drei und sechs Uhr aufnehmen. Ich stand extra früh auf, bereitete mich vor – und dann stellte sich heraus, dass sie drei Uhr nachts meinten. Also nahmen wir mitten in der Nacht auf! Die Atmosphäre im Studio war wirklich besonders, denn wir hatten all unsere jamaikanischen Freunde mitgenommen.

Was ist das verrückteste Erlebnis, das Sie während der Aufnahmen hatten?

Wendin: Das war in Neuseeland. Wir sind dort eigentlich nur hingeflogen, weil ich immer schon mal nach Auckland wollte. Ich kenne dort einen guten Hornisten, und durch all unsere Gabelflüge machte dieser Stop die Reise kaum teurer. Der Regisseur, der eine Dokumentation zu dem Album drehte, beschwerte sich dann allerdings, dass wir so weit geflogen sind, nur um einen Typ aufzunehmen, der Horn spielt. In der Hoffnung, dass etwas Spannendes passiert, das wir filmen können, stiegen wir eines Tages ins Auto und fuhren gen Norden. In einem Pub lernten wir bei einem Bier ein älteres Pärchen kennen, das uns zu sich nach Hause einlud.

Und dann?

Wendin: Unser Wagen blieb in ihrer Auffahrt stecken, und weil sie weit außerhalb wohnten, mussten wir über Nacht bleiben. Wir tranken zusammen, bis sich irgendwann herausstellte, dass sie Swinger waren! Sie wollten Sex mit uns! Zum Glück vertrage ich als Schwede viel Alkohol und so tranken und tranken wir, bis die beiden einfach einschliefen. So kamen wir aus der Nummer gerade noch mal raus.

Wer Ihr Album kauft, bekommt einen Downloadcode für den 80-minütigen Dokumentarfilm, den Sie erwähnten. Die Leute können also praktisch mit Ihnen auf Reise gehen?

Wendin: Genau das war die Idee hinter dem Film. Wenn man mich an all diesen Orten singen sieht, bekommt man vielleicht ein tieferes Gefühl für diese Songs. Als wir unterwegs waren, hat es mich genervt, ständig gefilmt zu werden, aber jetzt bin ich froh, dass wir es gemacht haben. Der Film machte mir klar, dass all das, was wir erlebt haben, wie ein Traum war, der sich vermutlich nie wiederholen wird.

Indiesoulpop:

Moneybrother – „This Is Where Life Is“ (RAR/Motor), September 2012.

www.moneybrothermusic.com

Moneybrother auf Tour 2012:

08.12. Hannover, Faust

09.12. Dresden, Scheune

10.12. München, Ampere

13.12. Frankurt, St. Peter Kirche

14.12. Köln, Luxor

15.12. Hamburg, Uebel & Gefaehrlich

17.12. Berlin, Postbahnhof am Ostbahnhof

18.12. Münster, Sputnik Halle

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