Paul Banks im Interview
„Ich mag meine Stimme nicht“

Alles außer Joy Division und Melancholie: Interpol-Frontmann Paul Banks über HipHop, alberne Spitznamen und sein erstes richtiges Soloalbum „Banks“.

Die derzeitige Pause seiner Band Interpol nutzt Sänger Paul Banks wieder dazu, ein Soloalbum zu veröffentlichten. Während sein erstes Album noch unter dem Pseudonym Julian Plenti erschien, bleibt er dieses Mal bei seinem echten Namen. Im Interview verrät der gebürtige Engländer warum, er spricht über seine Liebe zu HipHop und gibt zu, dass er eigentlich gar nicht gerne singt.

Paul Banks

Weder Julian Plenti noch der Sänger von Interpol: Paul Banks, ganz alleine und er selbst (Foto: Helena Christensen)

BRASH.de: Paul, im Juni haben Sie noch eine EP mit dem Titel „Julian Plenti Lives…“ veröffentlicht. Ihr neues Album allerdings erscheint unter dem Namen Paul Banks. Was ist mit Julian Plenti passiert?

Paul Banks: Die EP hieß zwar „Julian Plenti Lives…“, ist aber schon unter dem Namen Paul Banks erschienen. Um die DJ-Sprache zu benutzen: Es war sozusagen ein Crossfade, das eine ging in das andere über. Für mein erstes Soloalbum habe ich Material aus der Zeit vor Interpol aufgearbeitet, als ich mich Julian Plenti nannte. Mein zweites Album unter dem Namen zu veröffentlichen, hätte aber keinen Sinn gemacht, denn abgesehen von „Summertime Is Coming“ handelt es sich dieses Mal um neue Songs. Allerdings bedeutet das jetzt nicht automatisch das Ende von Julian Plenti. Vielleicht kehre ich eines Tages zu dem Namen zurück.

Sie haben noch ein weiteres Pseudonym: Unter dem Namen DJ Fancypants legen Sie manchmal HipHop auf.

Banks: Ja, das stimmt. Diese Alter-Ego-Sache ist inspiriert von meiner Liebe zum HipHop. Viele meiner Lieblingskünstler haben diverse Namen und Alter Egos. Das ist wie eine Verlängerung des künstlerischen Schaffens.

Und warum Fancypants?

Banks: Eines Tages war ich zum Pool spielen in einer Bar und irgend so ein Typ sagte zu mir „Hey Fancypants“. Ich glaube er wollte mich beleidigen, weil seine Freundin versuchte mich anzugraben. Ich fing an mit ihm zu reden und es stellte sich heraus, dass ich ihn über einen Bekannten vom College kannte, er Musicaldarsteller war und am Broadway bei „Hair“ mitspielte. Und mich nannte er Fancypants! Darüber mussten wir beide lachen. Der Name gefiel mit so gut, dass ich ihn danach behielt.

Wo Sie HipHop so gerne haben – haben Sie manchmal das Gefühl, dass die Leute ein falsches Bild von Ihnen haben, nämlich das von dem melancholischen Typ, der die ganze Zeit Joy Division hört?

Banks: Genau deswegen habe ich seit fünf Jahren keine Artikel mehr über mich oder Interpol gelesen. Ich habe bei „Our Love To Admire“ damit aufgehört, weil ich das Gefühl hatte, dass die Leute über jemand anderen reden und keine Ahnung haben, wer ich bin. Ich bin schon ein melancholischer Typ, aber ich nehme auch nicht alles todernst. Den Sinn für Humor in meiner Arbeit, der vom ersten Interpol-Album an da war, haben viele einfach nicht erkannt. Aber wenn ich Ihnen das erst erklären muss, verstehen sie es sowieso nicht. Eine Zeit lang hat mich das extrem gestört. Aber mittlerweile ist es mir auch egal.

Auch Ihr neues Album hat durchaus humorvolle Momente, zum Beispiel „Another Chance“.

Banks: Der Monolog in dem Stück stammt aus dem Film „Blackout“, mein Freund Sebastian Ischer hat ihn geschrieben. Er hat einen sehr düsteren Sinn für Humor. Es geht darin um einen Typen, den seine Freundin beim Freundgehen erwischt. Sie stürmt aus dem Apartment, er rennt ihr in Unterwäsche auf der Straße hinterher und überschüttet sie mit dieser Rede, in der er versucht zu rechtfertigen, was er getan hat.

Weil er betrunken war…

Banks: Genau, es geht um Alkoholismus. Er will ihr klar machen, dass sie ihn dafür nicht bestrafen darf und ihr Mangel an Verständnis sie im Grunde auch schuldig macht. Er dreht den Spieß also einfach um. Es ist wirklich eine absurde Szene. Eigentlich sollte der Song ein Instrumental-Stück werden, doch während ich daran arbeitete, schickte mein Kumpel mir den Link zu dem Film. Ich habe laut gelacht und die Szene, in der er sagt „there´s something wrong with my brain“ wieder und wieder zurück gespult. Es ist brillant und urkomisch, wie er sie plötzlich zur Rede stellt. Zum Glück kauft sie ihm das Ganze nicht ab und knallt ihm am Ende eine.

Im Gegensatz zu „Another Chance“ ist „Lisbon“ tatsächlich ein Instrumental. Und auch sonst ist auf dem Album viel Raum für Musik.

Banks: Naja, eigentlich wollte ich auf diesem Album 40 Prozent Instrumentalstücke haben.

Warum das denn? Gerade Ihre Stimme macht die Songs doch so besonders.

Banks: So habe ich selbst das aber nie gesehen. Ich verstehe, dass die Leute auf Gesang reagieren, aber für mich ist es die Musik. Gesang oder nicht ist mir egal, das macht einen Song nicht besser oder schlechter.

Julian Plenti

So sah Paul Banks vor drei Jahren aus. Alter Ego: Julian Plenti.

Mögen Sie Ihre Stimme?

Banks: Nein. Wenn ich eine Idee für einen Song habe und das erste Mal in meinen Laptop singe, dann ja. Das ist ein wirklich befriedigender Moment. Aber sonst? Ich weiß nicht. Wobei ich neulich das erste Mal seit Jahren wieder das dritte Interpol-Album „Our Love To Admire“ gehört habe, in dem Moment hat mich meine Stimme nicht gestört. Auf dem Album waren echt gute Songs, aber irgendwie ist es total unterbewertet.

Gibt Ihnen die Arbeit an Ihren Soloalben eigentlich etwas, was Interpol Ihnen nicht gibt? In einem Interview sagten Sie mal, dass Sie sich beim letzten Interpol-Album lediglich als Sänger fühlten und mit der Musik nicht viel zu tun hatten.

Banks: Genau so ist es. Das vierte Interpol-Album haben musikalisch vor allem Daniel und Carlos geschrieben. Ich habe neben Interpol aber schon immer meine eigene Musik geschrieben. Es ist einfach ein Outlet, das ich brauche. Musik zu machen ist für mich die Definition davon, einen Job zu haben, den ich liebe. Deswegen ist mir meine Soloarbeit auch so wichtig. Ich meine egal, was passiert, ich werde immer Musik machen. Aber es wäre schon schön, wenn es noch für lange Zeit mein Job bleibt.

Dunkelpop:

Paul Banks – „Banks“ (Matador/Beggars Group/Indigo), Oktober 2012.

bankspaulbanks.com

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