Robbie Williams im Interview
„Ja, ich will wieder Riesenhits!“

Ich war gelangweilt, lethargisch und apathisch“: Popstar Robbie Williams über die Bierrekorde auf Take That-Konzerten, vorgetäuschte Orgasmen, die neue Familie und über die schwachen Momente auf dem Weg zu seinem neuen Album „Take The Crown“.

Kumpelhaft und entspannt wirkt Großbritanniens mit 70 Millionen verkauften Platten kommerziell erfolgreichster Popstar, als wir ihn in einem mondänen Hotel im Stadtzentrum von London treffen. Robbie Williams ist gekommen, um zu bleiben: Nach der enorm erfolgreichen Reunion mit Take That will der 38-Jährige es nun wieder als Solokünstler wissen. Das könnte klappen: Für sein neuntes Studiowerk „Take The Crown“ hat er Lieder geschrieben, die von hymnischem Pop („Shit On The Radio“) über Rock mit Punkattitüde („Hey Wow Yeah Yeah“) bis hin zu einem geerdeten Folk-Duett („Losers“) mit US-Sängerin Lissie reichen. Im Gespräch zeigt sich der frisch gebackene Vater von Tochter Theodora Rose „Teddy“ Williams optimistisch, spricht über Karriereängste, Religion und Haare am Hintern – und lässt auch mal seine Muskeln spielen.

Robbie Williams

Nein, das ist nicht Morrissey: Robbie Williams, 2012 so smart wie eh und je (Foto: Universal)

BRASH.de: Mr. Williams, wir haben Sie diesen Sommer ein wenig vermisst, wo wir Sie doch im letzten Jahr gleich mehrmals erleben durften.

Robbie Williams: Bei den Konzerten von Take That? Das ist nett. Hat es Ihnen gefallen?

Ja. Besonders Ihre Pirouetten zum Klassiker „Pray“.

Robbie Williams: Oh ja, unsere Pirouetten kamen immer sehr gut an. Haben Sie Bier getrunken?

Nein, warum fragen Sie?

Robbie Williams: Weil Take That an Orten wie Manchester die Bier-Rekorde im Stadion gebrochen haben. Bei uns wurde mehr Bier getrunken als beim Fußball! Und da sagt man immer, unsere Konzerte wären nur was für Frauen!

Was hat die Take-That-Tour bei Ihnen bewirkt, als Mensch und als Künstler?

Robbie Williams: Ich hatte das Gefühl, dass ich eine Weile etwas machen müsste, das nichts mit meiner Solokarriere zu tun hatte. Denn ich war extrem gelangweilt, lethargisch und in Bezug auf meine Karriere absolut apathisch. Ich musste meine Bühnenangst überwinden, konnte Selbstbewusstsein tanken und habe mein Mojo wiedergefunden.

Und nun wollen Sie sich die Krone des Pop zurückholen?

Robbie Williams: Deshalb heißt mein Album „Take The Crown“, ja. Ich will Riesenhits. Ich will Euphorie im Stadion. Und dieses Album hat das Zeug dazu, das alles für mich zu tun.

Sie sagten einmal, Ihre Ambition sei bei jeder Platte, ein zweites „Angels“ zu schreiben. Haben Sie das denn diesmal geschafft?

Robbie Williams: Nein. Nein, leider nicht. Und das ist wirklich schade. „Angels“ hat mir meine Karriere geebnet. Aber das Lied ist auch immer eine Motivation für mich, weiter zu machen.

Robbie Williams

In der Zwickmühle zwischen Vergangenheit und Gegenwart: Robbie Williams, Superstar und Familienvater (Foto: Julian Broad/Farrell Music Ltd)

Im neuen Song „Not Like The Others“ schlüpfen Sie mit einer Frau unter die Bettdecke. Ganz offensichtlich handelt das Lied…

Robbie Williams: …von Sex! Mal wieder. Ich habe früher schon Songs darüber geschrieben. Aber diesmal geht es darum, diese eine besondere, schmutzige Person für sich gefunden zu haben, mit der du eine sexuelle Erfahrung machst, die nicht vergleichbar ist mit irgendeiner anderen. Mehr Details wollen Sie nicht wissen, glauben Sie mir!

„She doesn’t fake for no one“ – singen Sie in dem Song. Irgendwelche Erfahrungen mit vorgetäuschten Orgasmen?

Robbie Williams: Nein, ich musste noch nie einen Orgasmus vortäuschen!

Und Ihre Frauen?

Robbie Williams: Hm. Ich vermute, so etwas ist bei mir tatsächlich vorgekommen. Denn viele Frauen sind sehr gute Schauspielerinnen.

Meinen Sie damit Ihre eigene Frau, die ja tatsächlich Schauspielerin ist?

Robbie Williams: Jetzt bringen Sie mich aber in die Zwickmühle!

Okay, dann lassen Sie uns über Ihre neue Rolle als Vater sprechen. Sie sind bekannt für Ihre Flucherei. Haben Sie das zum Wohle Ihres Kindes abgestellt?

Robbie Williams: Nein, Mr. Robbie „Fucking“ Williams flucht immer noch – schrecklich viel. Und ich werde damit nicht aufhören. Ich bin die ersten drei Lebensjahre in einem englischen Pub aufgewachsen. Schimpfwörter zu benutzen gehört für mich zum Leben wie atmen und gehen! Ich bin mir sicher, meine Tochter wird das verstehen.

Ihre Frau Ayda hat türkische Wurzeln. Wird das irgendeine Rolle bei der Erziehung spielen?

Robbie Williams: Eigentlich ist Ayda Amerikanerin, auch wenn ihr Vater Türke ist. Aber sehr spannend finde ich, dass das Baby nun jüdisch, muslimisch und katholisch ist. Eigentlich ist sie natürlich nichts von alledem. Aber diese drei Religionen sind zumindest in ihrer DNA.

Was bedeutet Ihnen Religion?

Robbie Williams: Heutzutage? Nichts mehr. Aber ich finde diese Mischung jüdisch-muslimisch-katholisch faszinierend. Mir gefällt dieser Ursprung. Es klingt, als würde sie eine interessante Person werden.

Haben Sie türkische Traditionen für sich angenommen?

Robbie Williams: Nein, wir waren auch noch nie in Istanbul, wo Aydas Vater lebt. Aber als bei Olympia die türkischen Athleten ins Stadion einliefen, war ich automatisch parteiisch. Und wenn ein Fußballspiel mit türkischen Spielern läuft, bin ich auf ihrer Seite. Wenn die Türkei gewinnt, gewinne ich!

Was mag Robbie Williams heute an sich?

Robbie Williams: Hm, schwierig. Ich würde sagen, da ist nicht mehr dieser tiefe Selbstekel, den ich einst für mich hatte. Aber was mag ich an mir selbst? Ich weiß es nicht. Ich habe da eine konstante Neurose. Eigentlich denke ich, dass ich ein guter Typ bin. Das denke ich schon seit meinen Zwanzigern. Aber bin ich ein guter Typ? Oder bin ich doch ein Psychopath? Verdammt, ich bin eventuell ein Psychopath! Dann habe ich mir wohl die ganze Zeit selbst was vorgemacht.

So denken Sie über sich?

Robbie Williams: Das ist, was seit kurzem in mir vorgeht. Es könnte sein, dass ich ein verdammter, egoistischer, narzisstischer Alptraum bin. Vielleicht ist das hier alles Bullshit und meine Selbstwahrnehmung völlig falsch. Denn Menschen haben tote Winkel beim Blick auf sich selbst. Was ist mein toter Winkel? Ja, vielleicht bin ich echt ein Arschloch.

Fühlen Sie sich sexy auf der Bühne?

Robbie Williams: Nein, ich gebe lediglich vor, mich sexy und großartig zu fühlen. Wirklich, das ist es, was ich tue.

Aber Sie sind doch derzeit prima in Form, so wie Sie aussehen.

Robbie Williams: Ich kann nun mal nicht auf die Bühne gehen, wenn ich an Gewicht zulegt habe. Es lässt mich einfach nicht gut fühlen. Fassen Sie mal an (beugt sich rüber und spannt die Armmuskeln an)! Besonders der Muskel hier hinten, der war harte Arbeit.

Aha.

Robbie Williams - Take The CrownRobbie Williams: Wenn ich nicht arbeiten würde, säße ich vorm Fernseher, würde Kuchen und meine Lieblings-Chips von Kettle futtern und in die Breite wachsen. Insofern ist dieses Album für mich auch noch das beste Gewichtsreduktionsprogramm.

Und werden Sie sich wie David Beckham eines Tages auch die Brusthaare abrasieren?

Robbie Williams: Ich glaube, ich lass das lieber mit der Haarentfernung. Schauen Sie mal hier, ich habe vor ein paar Tagen ein bisschen Spaß mit einem Trimmer gehabt. So sollte es danach eigentlich nicht aussehen (zieht Hemdsärmel hoch und zeigt seine stoppeligen Unterarme). Ich habe Fernsehen geguckt und hatte einen Anflug von: ‘Oh, ich rasiere das jetzt alles ab!’ Denn momentan bin ich wirklich sehr, sehr haarig. Ich weiß, das klingt jetzt nicht sehr sexy, aber: Mit meinen Haaren am Po könnte ich einen Badewannenabfluss verstopfen!

Pop:

Robbie Williams – „Take The Crown“ (Island/Universal), 2. November 2012.

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