The Velvet Underground & Nico
Die Band mit der Banane

Frischzellenkur für den Klassiker: „The Velvet Underground & Nico“ erscheint als aufwändig gestaltetes Reissue-Set.

Velvet Underground

"Nico war eine Nervensäge": The Velvet Underground zu Zeiten ihres für die Popmusik maßgeblichen Debüts, das nun 45-jähriges Jubiläum feiert

Die Geschichte dieser Platte ist auch die Geschichte eines Rechtstreits. Hintergrund: die Banane, auf dem Albumcover im Vordergrund. Im Januar versuchten die Musiker das erste Mal, die Warhol Foundation davon abzuhalten, mit dem Andy-Warhol-Bild iPod-Hüllen und ähnliches zu verzieren und verlangten gleichzeitig eine gehörige Geldsumme für ähnliche Verwendungen aus der Vergangenheit. Jetzt stellte das Gericht fest: alles ziemlich schwierig – und sprach in Teilen beiden Parteien Recht, aber niemanden Geld zu.

Diese kleine Randnotiz sagt viel über eines der wichtigsten Pop-Debüts der Musikgeschichte aus, erklärt sie doch die Wechselwirkung zwischen Pop und Kunst: The Velvet Underground, das war die erste Band, die sich von bestehenden Besetzungsschemata löste. Warhol war für diese Band wichtig, vor allem aber war er es für diese Platte. Er produzierte sie. Vor allem aber war er es, der die kühle Chanteuse Nico ins Spiel brachte, was wohl als Gegengeschäft für erwähntes Coverdesign zu verstehen war.

Velvet Underground & Nico

Die Banane bleibt: Velvet Underground & Nicos Debütalbum, auch in der Jubliäumsausgabe im weltberühmten Warhol-Layout

Eine Nervensäge, so sagte Lou Reed einmal, sei die gewesen. Im Rückblick war ihre Teilnahme an diesem Album aber ein großer Glücksfall. Denn gerade die Spannung zwischen den rumpelndem Post-Beat („Sunday Morning“ mit dem schönsten Basslauf des Albums, „Run Run Run“) Lou Reeds und John Cales und dem unterkühlten Gesang der gebürtigen Kölnerin, die für ein Schauspielstudium in Lee Strasbergs Acting Studios nach New York wechselte (I’ll Be Your Mirror“, „Femme Fatale“), trägt erheblich zum Reiz dieses Albums bei und evoziert einen Grundtenor, den man so vorher noch nie gehört hatte und der vieles von dem vorwegnahm, was gute zehn Jahre später als Punk oder Wave bezeichnet werden sollte.

Die „45th Anniversary Deluxe Edition“ flankiert den Klassiker mit allerhand Beimaterial, von dem die bisher unveröffentlichten „Factory Rehearsals“ sicher den spannendsten Teil darstellen. Natürlich verlieren sich die Probemitschnitte bisweilen im Nichts. Manchmal sogar ziemlich lange.  Aber wie Lou Reed weit hinten singt, wie sich der Album-Outtake „Miss Janie Lee“ gute zwölf Minuten um sich selbst dreht oder wie selbst im total verwaschen-verhalltem Lofi-Klang die Größe von „Heroin“ erkennbar ist, das ist schon wunderbar.

Pop-Debüt, revisited:

The Velvet Underground & Nico – “The Velvet Underground & Nico – 45th Anniversary Edition” (Universal), Oktober 2012.

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