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Benjamin Biolay im Interview „Ich hänge gerne mit Briten ab“
von Katja Schwemmers am 16. November 2012
Der französische Morrissey: Popstar Benjamin Biolay im Interview über illegale Drogen, Musikervergleiche, die vulgären Zeilen von Vanessa Paradis und seine Schauspielambitionen. Das blasse Gesicht von Benjamin Biolay zieren Augenringe. Die letzte Nacht hat sich der französische Sänger und Schauspieler mit Musikaufnahmen in Belgien um die Ohren geschlagen. Und nun sitzt er bei einem starken Kaffee auf der Terrasse eines Berliner Hotels und ist trotzdem guter Dinge. Sein siebtes Studioalbum heißt „Vengeance“, verführt mit schwulstigen Streichern und Gaststars wie Vanessa Paradis und Carl Barât. Im Interview erzählt der in seiner Heimat als Superstar verehrte Künstler von Lieblingsdrogen, fröhlichen Chansons und seinem Talent als Schauspieler. ![]() In Frankreich ein Superstar - der sich offenbar auch selbst so schlecht nicht findet: Benjamin Biolay, hier mit Häschen BRASH.de: Monsieur Biolay, wie schmeckt die erste Zigarette des Tages? Benjamin Biolay: Es geht. Normalerweise rauche ich gar keine Zigaretten – nur kleine Joints. Aber das ist hier nicht legal, also lasse ich es lieber. Sie werden im Januar 40, da schickt sich das doch auch nicht mehr. Benjamin Biolay: Stimmt. Der Plan für die magischen 40 ist, wieder mehr Sport zu machen. Und wenn ich mir etwas vornehme, dann ziehe ich das knallhart durch. Selbst mit Drogen war ich immer diszipliniert. Ich habe nie Heroin genommen – das kann ich auch nicht gut heißen.
Sie haben vor kurzem in einer Rockoper am Théâtre du Châtelet in Paris mitgewirkt. Reichen Ihnen Musik und Film nicht mehr? Benjamin Biolay: Doch, doch. Das war ein spaßiger Ausflug in ein anderes Metier. Gereizt hat mich, dass das Stück auf der Oper „Die Krönung der Poppea“ von Claudio Menteverdi basiert. Und mein Kumpel Carl Barât von den Libertines spielte auch mit, genauso wie Mark Almond von Soft Cell. Das sind dufte Typen! Ich hänge gerne mit Briten ab. Ich fühle mich zu ihnen hingezogen. Finden Sie auch Inspiration in britischer Musik? Benjamin Biolay: Seit Kindesalter ist das schon so. Englische Musik und amerikanischer HipHop gehörten immer zu meinen Hauptinspirationsquellen. In meiner ersten Band coverten wir ausschließlich Lieder von den Smiths. In Argentinien sagen sie heute noch, ich wäre der französische Morrissey. Morrissey spricht auch französisch.
In Europa wurden Sie indes als nächster Serge Gainsbourg gefeiert. Benjamin Biolay: Das lag wohl an der Art meiner Inszenierung und war größtenteils meine eigene Schuld. Die meisten Leute würden sich freuen, als neuer Serge bezeichnet zu werden, aber ich nicht. Obwohl er natürlich ein Vorbild für mich ist, gerade, was die Texte betrifft.
Was war denn die erste Musik aus England, die Ihnen zu Ohren kam? Benjamin Biolay: Die Beatles – wie für die meisten Europäer. Es ist unmöglich, das zu vermeiden. Selbst meine Eltern, die Popmusik nicht ausstehen können, hörten sie. Meine ersten Promotion-Fotos waren inspiriert von den Bildern, die Astrid Kirchherr von den Beatles in ihren Anfangstagen in Hamburg machte. Für diese Platte ist es das berühmte Bild bei ihrem allerletzten Auftritt auf dem Dach des Apple-Gebäudes in London, dem ich auf meinen Fotos ein wenig nacheifere. So erklärt sich zumindest ansatzweise, warum Sie auf Ihrem neuen Album mit Northern Soul flirten. Benjamin Biolay: Ja, da ist viel Northern Soul. Alle meine britischen Lieblingskünstler stammen aus dem Norden Englands, aus Liverpool und Manchester. Paul Weller und The Style Council habe ich immer geliebt.
Warum haben Sie den nicht für eine Kollaboration angefragt, wo Sie doch so viele Künstler eingeladen haben? Benjamin Biolay: Ach nein, für die meisten Briten wäre das doch langweilig. Die würden ein sehr französisches Projekt erwarten, wenn ich sie um Zusammenarbeit bitte, und wären dann vermutlich bitter enttäuscht, mit einem Franzosen Northern Soul machen zu müssen. Aber für Vanessa Paradis, die Ihren Song „Profite“ eingesungen hat, war das okay? Benjamin Biolay: Klar! Ich kenne sie sehr gut, wir sind Freunde. Ich produziere gerade ihr nächstes Album. Ich liebe die Art, wie sie mit ihrer zarten Stimme diese vulgären Zeilen singt. Wie erklären Sie solche Lieder Ihrer zehnjährigen Tochter? Benjamin Biolay: Gar nicht. Aber meine Tochter ist generell sehr kritisch gegenüber meiner Arbeit. Sie findet eigentlich immer, dass alles, was ich mache, zu traurig ist. Aber diesmal sind die Songs für sie cool. Endlich gefällt ihr meine Musik. Liegt es denn an Ihrer Tochter, dass Sie dieser Tage fröhlicher klingen? Benjamin Biolay: Ja, der beste Teil meines Lebens ist meine Tochter! Wir sind uns sehr nah, auch wenn sie mal bei mir, mal bei meiner Ex-Frau wohnt, die heute meine Nachbarin ist. Für meine Tochter ist das kein Trauma, sondern eher ein Bonus, zwei Schlafzimmer zu haben. Was ist typisch französisch an Ihnen? Benjamin Biolay: Vermutlich die Tatsache, dass ich ständig am Grübeln bin. Es ist hart für mich, völlig unbeschwert und euphorisch zu sein. Ich bin einfach ein Melancholiker. Dass ich mich sehr für Politik interessiere, ist auch sehr französisch. Aber das thematisieren Sie nicht in Ihrer Musik. Benjamin Biolay: Nein, das ist ein anderer Teil von mir. Ich bin sehr gut darin, zwischen Politik und Musik umzuschalten. Wenn ich mich für Politik engagiere, trete ich nicht als Sänger auf. Und wenn ich einen Film drehe, wird man in meiner Garderobe nie eine Gitarre finden. Ich weiß das zu trennen. Derzeit sind Sie sehr umtriebig als Schauspieler. Ist das eine neue Liebe von Ihnen? Benjamin Biolay: Eigentlich denke ich immer noch, dass ich dafür nicht programmiert bin. Wenn mich früher jemand fragte, ob ich in einem Kurzfilm mitspielen will, sagte ich immer: „Ich muss mich um meine Musik kümmern.“ Selbst als ein berühmter, französischer Filmemacher um Mitwirkung bat, sagte ich: „Vergiss es, ich bin Sänger.“ Später sah ich den Film und dachte: Du bist so blöd, du hättest das spielen sollen! Und ich schwor mir, dass ich nächstes Mal ja sage. Und so passierte es, dass ich 2008 in dem wundervollen Film „Stella“ mitspielte. Ich bin so froh darüber. Es kommen noch weitere Filme, in drei davon spiele ich die Hauptrolle. Sie haben sogar in einem Horrorfilm mitgespielt! Benjamin Biolay: Ja, das war immer mein Traum, das ist eine große Liebe von mir, besonders die Filme von Rob Zombie. Ich spiele sowieso am liebsten finstere Charaktere, die sich verändern. Da gibt es wohl durchaus eine Parallele zu meiner Musik. French Pop: Benjamin Biolay – „Vengeance“ (Naïve/Indigo), November 2012. Auf Tour 2013: 23.02.2013 Hamburg, Mojo Ähnliche Artikel Ach, das erste Moped! Jan Joswig kramt diesmal in den Rappelkisten-Erinnerungen von Menschen.… Auch von August bis November lassen sich in Deutschland… Von ‘Rock am Ring’ oder dem ‘Hurricane Festival’ hat jeder schon mal gehört. Deswegen sind die… Cascada for last! Nilz Bokelberg erhofft sich für Deutschland eine pädagogisch wertvolle… Jared Leto macht wieder Musik. Ein neues Album mit seiner Band ’30 Seconds To Mars’ kommt… Die TITANIC Boygroup gibt nach 17 Jahren ihre bundesweite…
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