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Jonathan Jeremiah Emotionen in Übergröße
von Michael Haacken am 20. November 2012
Jonathan Jeremiah ist ein Songwriter, der es auf die altmodisch harte Tour zum Erfolg geschafft hat. Hinter seinem Schmuseimage verschwimmen allerdings die Grenzen von Inspiration und Produktion. Die bösen Plattenfirmen. Sind alle nur am kurzfristigen Erfolg ihrer Acts interessiert und lassen jeden im Stich, der nicht auf Anhieb 100.000 Platten verkauft. Am liebsten, so das Vorurteil, sind ihnen die Cashkühe, die alle zwei Jahre eine Platte herausbringen, die genauso klingt wie die davor, und die sich als Soundmöbel eignen für Leute, die eigentlich gar keine Musik mögen. Jonathan Jeremiah hat dieses Schicksal nicht verdient. Der scheue Brite hatte sein Debütalbum selbst aufgenommen, ehe er einer Plattenfirma anbot, die sich dann um den Vertrieb kümmerte. „A Solitary Man“ wurde vor zwei Jahren ein Achtungserfolg, vor allem in Deutschland, und etablierte den Songwriter als verlässliche Alternative zu Jack Johnson, John Mayer und James Blunt. Auch Jeremiah verfügt über eine dieser Stimmen, die man fast körperlich vor sich sehen kann. Gleichzeitig rau und zart, hell und dunkel, verletzlich und fordernd. Ein Timbre wie Honig auf Mahagoni, wie gemacht für romantische Liebesbekundungen am Kaminfeuer. Die Musik dazu will ebenfalls nur kuscheln: sorgfältig arrangierte Gitarren- und Pianoballaden zwischen nachdenklich und liebeskrank lassen die Dating-Websites dieser Welt noch trister aussehen als sonst schon und verführen stattdessen zum Tagtraum. Die Zielgruppe denkt womöglich an einen Kurzurlaub in Paris, die Plattenfirma denkt derweil an die Zielgruppe. Das Kalkül lauert bei Jonathan Jeremiah nämlich trotz aller Bemühungen auch immer im Hintergrund, und nirgendwo mehr als auf seinem neuen Album „Gold Dust“, das die Erfolgsformel ein weiteres Mal anzuwenden gedenkt. Augen, die nicht lügen können, blicken einem vom Cover entgegen, und schon in den ersten Songs entblättert sich auch Jeremiahs Herz: „You are the ‚u’ in ‚us’/ you are the sunrise/ The love of my life.“ Eine Nummer kleiner wird es selten, denn Jonathan Jeremiah glaubt an Liebe auf den ersten Blick und an den direkten Zugriff darauf. Für einen echten Samurai der Herzen ist er dann aber doch ein wenig zu zahm, um nicht zu sagen zu faul. „The darkest hour is always just before the dawn“ weiß Jeremiah, wahrscheinlich hat er den Spruch neulich in einem Glückskeks gefunden. Sein neues Album namedroppt Sydney, London und Berlin als Locations voller Fernweh und Magie, im Video zu „Lazin’ in the Sunshine“ spaziert er auch noch leibhaftig an Spree und Landwehrkanal entlang. Das „Everyday Life“, das im gleichnamigen Song besungen wird, ist für ihn so fern wie für einen Touristen auf der Durchreise und nimmt deswegen sehnsuchtsvolle Dimensionen an. Für einen Song kann man dieser Einschätzung selber folgen, danach ist der Goldstaub schon wieder verflogen und der Alltag kehrt wieder ein. Herbstsongwriting: Jonathan Jeremiah – „Gold Dust“ (Universal), Oktober 2012. Ähnliche Artikel Ach, das erste Moped! Jan Joswig kramt diesmal in den Rappelkisten-Erinnerungen von Menschen.… Auch von August bis November lassen sich in Deutschland… Von ‘Rock am Ring’ oder dem ‘Hurricane Festival’ hat jeder schon mal gehört. Deswegen sind die… Cascada for last! Nilz Bokelberg erhofft sich für Deutschland eine pädagogisch wertvolle… Jared Leto macht wieder Musik. Ein neues Album mit seiner Band ’30 Seconds To Mars’ kommt… Die TITANIC Boygroup gibt nach 17 Jahren ihre bundesweite…
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