French-DJ-Pop von C2C
New Kids on the Turntables

In Frankreich sind sie Nummer Eins in den Charts, der Rest der Welt hat Grund zum Neid. C2C sind Hexer hinter den Plattentellern, statt dicker Hose haben sie aber nur Deinen und Ihren Spaß im Kopf. Den gibt es schon seit Jahren auf ihren wahnwitzigen Konzerten, jetzt erstmals auch zum Mitnehmen auf Platte.

C2C

Viermalige DJ-Weltmeister und Boyband der Clubs: C2C aus Nantes

In den letzten fünfzehn Jahren gab es für Techno- und Electro-DJs weitaus schlechteres als eine französische Herkunft. French House hieß das Zauberwort, mit dem man auch Leute zum Tanzen bringen konnte, die sich nicht unbedingt akustisch die Fresse einschlagen lassen wollten. Waren die frühen Neunziger noch wahlweise von den grimmigen BPM und der metallischen Monotonie teutonischen Technos oder von den hirnrissigen Love-Parade-Klängen geprägt, konnte man die neuen Sounds plötzlich ohne Weiteres mit Stil oder sogar mit Humor in Verbindung bringen. Auch C2C sind alt genug, rotierende Plattenteller noch mit Hiphop und Breakdance zu assoziieren.

C2C

Up, Up And Away: C2C, offenbar DJ-Überflieger mit Herz

Das französische DJ-Kollektiv existiert seit 1998 und hat sich einen Namen mit artistischem Können hinter den Turntables und einer exaltierten Lightshow gemacht. Das Quartett aus Nantes hat zwischen  2003 und 2006 gleich viermal hintereinander die DJ-Weltmeisterschaft gewonnen, bevor es sich nun zu einem Album bequemt. In Interviews erzählen die Musiker gerne, dass man solche Preise nicht einsackt, wenn man auf der Bühne herumsteht wie Kraftwerk bei Madame Tussauds. Stattdessen dominiert der Entertainment-Charakter eines gut durchchoreographierten Liveauftritts. Wer C2C auf der Bühne sieht, wird unwillkürlich an eine ausgelassene Boyband erinnert, die dem Spaßfaktor in der Dramaturgie den größten Platz einräumt. Konfetti für die Ohren, rausgeblasen von vier Typen, die sich auch ohne herkömmliche Instrumente als Band verstehen.

Der Partygedanke hat sich auch auf „Tetra“, dem vielversprechenden Debütalbum der Vier, breitgemacht. Auf dem Cover hüpfen ein paar nackte Lolitas durch ein Meer aus Luftballons, in den Lyrics heißt es: „You never feel happy until you try.“ Vermutlich. „Tetra“ ist praktisch auf kompletter Länge eine Aufforderung zum vorzeitigen Feierabend, ein gutgelauntes Spaßbad, das auch anspruchsvolle Partypeople verlocken dürfte. Ohne sich einem bestimmten musikalischen Trend verpflichtet zu fühlen, würfeln C2C alles durcheinander, was sich in den letzten 15 Jahren in ihren Köpfen abgespeichert hat, und das ist eine ganze Menge.

HipHop à la Beastie Boys nimmt einen Logenplatz ein, gleiches gilt für die hypnotischen Passagen von Daft Punk. Obendrauf gibt es Soul-Gecroone, verquere Western-Einlagen und den infektuösen Electrobeat der Nuller Jahre. Das atemberaubende DJ-Können der Band vermittelt sich auf CD zwar nicht unbedingt, trotzdem dürfte es nach dieser Platte vielen Kollegen bang um ihre eigene Phantasie werden. Bevor C2C nämlich zu ihrem letzten und besten Song „F.U.Y.A“ anheben, haben sie bereits alle Spielsachen auf dem Teppich verteilt, mit denen man selber schon immer mal spielen wollte.

DJ-Boys:

C2C – „Tetra“ (Universal), November 2012.

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