Asaf Avidan
Israel’s Finest

Seit seinem Nummer Eins-Hit „Reckoning Song“ ist Asaf Avidan in aller Munde. Sein neues Album macht Neugierige mit den Untiefen eines stillen Wassers vertraut.

Asaf Avidan

Durchbruch mit seinem „Reckoning Song“, auch auf Soloalbumlänge keine Enttäuschung: Asaf Avidan aus Israel

„Im israelischen Mainstream ist es immer noch ein Tabu auf Englisch zu singen und nicht in seiner Muttersprache“, sagt Asaf Avidan. Er tut es natürlich trotzdem. Avidan wurde zwar in Jerusalem geboren, lebte aber bis in seine Teenagerjahre in den USA, wo ihm nicht nur die zeitgenössische Musik, sondern auch der entsprechende Lifestyle ans Herz wuchs. Mit seiner Band Asaf Avidan & the Mojos avancierte er fünfzehn Jahre später zu einem der beliebtesten Liveacts Israels, der jüdische und muslimische Fans gleichermaßen beeindrucken konnte.

Schon damals tanzte der Sänger auf mehreren Hochzeiten. Als Trickfilmanimateur heimste er renommierte Filmpreise ein, die schmerzhafte Trennung von seiner Freundin trieb ihn kurz darauf in die Arme der Musik. „Darum sollte es doch beim Blues gehen, dass es einem danach besser geht, oder nicht?“, fragt er, und die Antwort gibt er selbst. Wenn Avidan singt, klingt er verwundet, beseelt und entfesselt zugleich. Seine Stimme rangiert irgendwo zwischen Muse und Coco Rosie und ist außerirdisch genug, um als eigene Sprache durchzugehen.

„Different Pulses“ ist das erste Album nach der Auflösung seiner Band und folgt seinem diesjährigen Überraschungshit auf dem Fuße. „Reckoning Song“ im Remix des Berliner DJs Wankelmut erklomm im Sommer die Spitze mehrer europäischer Hitparaden und verführte das Radiopublikum mit einer seltsamen Mixtur. Authentischer Weltschmerz und echte Sehnsucht, gepaart mit einem lebensbejahenden Trip-Hop-Beat sorgten dafür, dass die Afterhour in einer philosophischen Morgenröte aufging, die offenbar einen Nerv traf. Vergleichbar beschwingte Stücke sucht man auf „Different Pulses“ zwar vergebens, aber die Message vermittelt sich auch so. Liebe und Tod seien im Grunde dasselbe, sagt Asaf Avidan, der als Sprachrohr geschundener Seelen eine goldene Zukunft vor sich hat.

Die Körperlosigkeit, mit der er Songs wie „Love it or leave it“ oder „Thumdtacks in my Marrow“ vorträgt, trägt zur ambivalenten Stimmung seiner ungewöhnlichen Musik bei. Verwurzelt in Folk, Blues und Glamrock gelingt es Avidan immer wieder, vermeintlich vertrautes Terrain in neue Gefühlswelten zu übersetzen. Dabei ist „Different Pulses“ immer all in, ein emotionaler Drahtseilakt, der existentialistische Resonanz im trivialsten Alltag zu finden versucht. Oft genug mit Erfolg. Kritiker sehen in Avidans Schaffen bisweilen eine Naidoo’sche Humorlosigkeit am Werk, doch das ficht den passionierten Schmerzensmann nicht an. Seine Songs mögen von einer unzeitgemäßen Symbolik durchweht sein, seine Botschaft geht trotzdem sofort ins Ohr.

„Different Pulses“ handelt von verdrängten Gedanken, unsichtbaren Kräften und ewigen Wahrheiten, die sich früher oder später ihren Weg bahnen und Zweifler zur Demut zwingen. Damit können sich offenbar im Moment einige Menschen identifizieren, und Asaf Avidan hat auf jeden Fall die Stimme, der man in solchen Momenten Vertrauen schenkt.

Folkpop:

Asaf Avidan – „Different Pulses“ (Universal), 23. November 2012.

www.asafavidanmusic.com

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