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Ex-HipHopper Dennis Lisk im Interview:”Die Beginner waren meine Jugendliebe”
von Nadine Lischick am 13. Juli 2009
Dennis, fast alle in den Neunzigern erfolgreich gewesenen deutschen HipHopper machen heute ganz andere Musik. Stirbt der deutsche HipHop aus? Du hast HipHop mal mit der ersten Jugendliebe verglichen… Lisk: Ja, genau. Man guckt wohlwollend und wohlgesonnen auf seine erste Liebe zurück. Die bleibt einem natürlich immer in Erinnerung und man nimmt sie in jede nächste Beziehung mit. Dementsprechend steckt auch in meiner jetzigen Musik HipHop, selbst wenn man es nicht klar hört. Ich rappe nicht, meine Vergangenheit steck da trotzdem mit drin. Woran liegt es, dass Du Dich dem HipHop abgewandt hast? Lisk: Viele von uns – gerade auch aus meiner Generation – haben sehr viel mehr Musik in sich als nur dieses HipHop-Ding. Wir haben viel Soul, Funk und Reggae gehört, aber auch Rock, Heavy Metal und Crossover – alles querbeet. Deswegen finde ich es nachvollziehbar, dass man nach über zehn Jahren etwas anderes machen will. Wenn man ein paar Alben gemacht hat, ist das Feuer weg. Die HipHop-Nummern, die ich zuletzt geschrieben habe, haben mich am Ende selbst gelangweilt – und das ist ein unerträglicher Zustand. Man muss schon hungrig sein, sonst macht man auch keine gute Musik mehr. Und ich habe noch so viel anderes in mir – das hole ich jetzt einfach mal raus. Und wieso kamst Du ausgerechnet zur Gitarre und nicht zum Reggae oder Funk wie Dein Kollege Jan Delay? Lisk: Bei mir im Studio liegt immer einfach alles so rum. Zwischen irgendwelchen alten Percussions und Rasseln lag auch meine alte Gitarre. Die hat noch nicht mal irgendeine Marke, die habe ich noch zu D-Mark-Zeiten gekauft. Erst habe ich nur ein paar Akkorde gespielt, dann irgendwann dazu gesungen – und das hat total viel in mir geweckt. Am Anfang habe ich auch andere Sachen wie Reggae oder so eine The Police-mäßige Mischung aus Reggae und Rock ausprobiert, aber was mich am meisten geflasht hat, waren eben emotionalere, langsamere Songs. Lisk: Ja, das war die notwendige Konsequenz. Wenn man sich entscheidet. alles loszulassen, um etwas Neues für sich zu entdecken, dann kann man auch nicht den alten Namen nehmen. Ich will auch nicht auf der Bühne stehen und die Leute rufen „Spiel doch mal ‚Liebeslied‘". Lisk (lacht): Sowas gibt es natürlich auch. In dem Moment muss man die Metapher dann einfach mal loslassen. Es ist schon so, dass Jan, Mad und ich überlegen, ob wir mit den Beginnern mal wieder was machen. Das wird auch irgendwann passieren und ich freue mich drauf. Nur ist es zum jetzigen Zeitpunkt kein Thema für mich. Ich habe das alles erstmal losgelassen, einen neuen Bezug zur Musik gesucht und auch gefunden. Und ich habe sehr viel Spaß damit.
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